Bürgerservice und Verwaltung

Stadtverwaltung Eltmann
Marktplatz 1
97483 Eltmann

Telefon 09522 899-0
Telefax 09522 899-60

info@eltmann.de
www.eltmann.de


Öffnungszeiten:

Montag – Freitag: 08.00 – 12.00 Uhr; Dienstag 14.00 - 16.00 Uhr; Donnerstag 14.00 – 17.00 Uhr und nach tel. Vereinbarung
Bei persönlicher Vorsprache wird um vorherige Terminvereinbarung mit dem entsprechenden Sachgebiet gebeten.

Forstamt der Stadt Eltmann

Mit rund 1.126 Hektar ist die Stadt Eltmann der größte kommunale Waldbesitzer im Landkreis Hassberge. Der Stadtwald wird nach dem Bayerischen Waldgesetz mit eigenem Forstpersonal vorbildlich bewirtschaftet und hat hier vorrangig Nutz,- Schutz,- und Erholungsfunktionen zu erfüllen. Es gibt Wasser- und Naturschutzgebiete und der Großteil des Waldes liegt im Natura 2000 Gebiet "Buchenwälder und Wiesentäler des Nordsteigerwaldes", mit FFH und SPA- Gebiet. Besonders zu erwähnen ist die größte Graureiherkolonie Nordbayerns an der B26 zwischen Dippach und Roßstadt mit dem Namen "Vogelfreistätte Graureiherkolonie Dippach am Main". Von einer eigenen Quelle im Wald werden jährlich bis zu 100.000 m³ ins Trinkwassernetz eingespeist.

Die Öffentlichkeitsarbeit spielt im gesamten Stadtbereich eine große Rolle, Kindergärten und Schulen werden betreut und zahlreiche Wanderwege gepflegt. Auf eine nachhaltige Bewirtschaftung wird sehr geachtet, denn der Wald ist FSC® (FSC-C 100549) zertifiziert. Der Förster der Stadt Eltmann ist der Gruppenleiter der FSC-Gruppe "Franken" und betreut dafür zusätzlich die Wälder der Städte Bamberg, Königsberg in Bayern, Ebern und den Gemeinden Ebelsbach, Unterpreppach, der Universität Würzburg und der Bürgerspitalstiftung in Bamberg.

Großer Wert wird auf die Ökologie und Artenvielfalt gelegt. Biotope wurden angelegt, vernetzt, werden gepflegt, Biotopbäume markiert und dauerhaft erhalten, genügend Totholz im Wald belassen und auf einigen Flächen erfolgt ein freiwilliger Nutzungsverzicht. Seltene Baumarten werden erhalten und zusätzlich durch Pflanzung eingebracht. Als Betriebsziel wird ein standortgerechter, leistungsfähiger, stabiler und wirtschaftlich wertvoll bestockter Stadtwald angestrebt. Die Erzeugung von Holzmengen, aber auch der Erhalt und die Pflege stabiler Holzvorräte aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten ist weiterhin eine Zielsetzung.

Im Jahr 2018 wurde das Forsteinrichtungswerk erstellt. Dieses regelt die Waldbewirtschaftung in Absprache mit der Bayerischen Forstverwaltung für einen 20-jährigen Zeitraum. Bei der Inventur wurde der sehr gute Zustand des Waldes bestätigt und unter anderem die Baumartenanteile berechnet. Vorrangig wachsen im Stadtwald Buchen (35%), Eichen (22%), Kiefern (11%) gefolgt von Fichten, Edellaubholz, Hainbuchen, Linden, Lärchen, Douglasien und Sonstigen Hölzern. Im Zuge der Klimaerwärmung wird der Wald derzeit auf die Veränderungen und Wuchsbedingungen angepasst. Es werden Eichen gefördert und Baumarten, wie Weißtanne, Elsbeere, Speierling, Esskastanie, Nuss und Feldahorn verstärkt gepflanzt. Diese sehr gute Zusammensetzung ermöglicht ein sehr gutes, aber auch anspruchsvolles Wirtschaften. Das Stammholz wird vorrangig an örtliche Sägewerke verkauft- unser Beitrag die heimische Wirtschaft zu unterstützen, Arbeitsplätze zu sichern und die Immissionen für den Transport des nachwachsenden Rohstoffes Holz so gering wie möglich zu halten.

Das Brennholz verbleibt ausschließlich bei den Rechtlern und Bürgern der Stadt Eltmann. Mit dem Restholz wird das eigene Hackschnitzelwerk beliefert. Mit der erzeugten Energie durch das Verbrennen der Hackschnitzel wird Strom erzeugt und ein ganzes Wohngebiet, sowie das eigene Schwimmbad mit Wärme versorgt.

Wir sind stolz darauf so effizient und ökologisch wirtschaften zu können, CO2 dauerhaft zu binden und die Bevölkerung für die notwendige und nachhaltige Bewirtschaftung zu begeistern.

Ihr

Christian Bartsch
Forstamtsrat und Förster der Stadt Eltmann

Ansprechpartner

Christian Bartsch
Stadtförster

Stadt Eltmann
Obergeschoss im ehem. RITZ
Marktplatz 7
97483 Eltmann

Telefon: 09522 / 899-16
Telefax: 09522 / 899-416
E-Mail: bartsch@eltmann.de

 

Öffnungszeiten:
Dienstag: 08:30 - 12:00 Uhr
Donnerstag: 14:00 - 18:00 Uhr
 




Charakterbäume, Methusalems und die letzten ihrer Art

Erkunden Sie besondere Bäume im Stadtwald

Für alle Naturliebhaber und Waldinteressierte erfolgt fortan in unregelmäßigen Abständen auf der Eltmann App ein Beitrag durch unseren Stadtförster Christian Bartsch über besondere Bäume im Stadtwald Eltmann. Es sollen zum Beispiel besonders ökonomisch/ ökologisch wertvolle Bäume mit Bildern und Erklärungen bekannt gemacht werden. Aber auch „Charakterbäume“, „Methusalems“, bizarre, besonders hohe oder starke Bäume sollen vorgestellt werden. Natürlich stehen auch Individuen seltener Baumarten und auch „die letzten ihrer Art“ im Fokus. 

Es wird auch der Standort bekannt gegeben, damit diese Bäume in der Natur betrachtet werden können. 

Alle vorgestellten Bäume werden dann nach und nach hier auf Homepage der Stadt Eltmann gelistet. Nach der Vorstellung der ca. 30 Bäume soll auch ein ausgewiesener Rundweg entstehen, an dessen Route einige der vorgestellten Exemplare stehen und darauf warten bewundert zu werden. 

Wir wünschen Ihnen viel Freude in unserem tollen Stadtwald!




Charakterbäume, Methusalems und die letzten ihrer Art

Baum Nummer 1

Als ersten Baum möchte ich eine monumentale Fichte vorstellen. Warum ausgerechnet eine Fichte? Im Jahr 1996 erfolgte eine Aufnahme der Baumartenanteile im gesamten Stadtwald Eltmann. Der Anteil aller Fichten (lat. Picea abies) betrug damals 8%. Im Jahr 2017 stellte sich bei einer erneuten Aufnahme heraus, dass der Anteil gleich geblieben ist. 

Durch die letzten trockenen Jahre und Borkenkäferkalamitäten wird der Anteil der Fichten im Stadtwald auf nur noch 3% geschätzt. Aus diesem Grund soll hier die höchste, stärkste und imposanteste Vertreterin dieser Baumart vorgestellt werden. Die beeindruckende Fichte ist über 40 m hoch, hat einen Brusthöhendurchmesser von 129 cm, einen Umfang von 405 cm, ca. 14 Kubikmeter (Festmeter) Holzvorrat und ist geschätzt über 200 Jahre alt. Da sie an einem kleinen Bach mit guter Wasserversorgung steht überlebte sie die letzten Jahre. Das Bachtälchen ist ein idealer Standort für Fichten. Ihr Allgemeinzustand ist aber durch die zu langen Trockenperioden der letzten Jahre, der Bach lag oft trocken, besorgniserregend. Das wird vor Allem an ihren Blättern, den sogenannten Nadeln, ersichtlich. Üblich ist der Verbleib von 6 bis 8 Nadeljahrgängen an den Zweigen. 

Bei der kapitalen Fichte sind es nur noch 3 Nadeljahrgänge, welche auch nicht mehr dunkel grün sind. Es ist zu vermuten, dass diese tolle Fichte nicht mehr lange überleben wird (hoffentlich täusche ich mich). Damit der Baumriese nicht nur als Totholz bewundert werden kann, ist er die Nummer 1 in meiner Liste der besonderen Bäume im Stadtwald. Die „Monument- Fichte“ steht direkt am Weg in Verlängerung der sogenannten linken Looch. Der klare, kühle und plätschernde Bach und eine extra aufgestellte Sitzgelegenheit lädt zum längeren Verweilen und Nachdenken ein. 

Die genaue Position dieses Baumes finden Sie hier: https://www.google.com/maps?q=49.9574332,10.6283916&z=17&hl=de

Viel Spaß beim Erkunden! 




Baum Nummer 2

Als zweiten Baum in der Serie möchte ich eine bizarre Rotbuche (Fagus sylvatica) vorstellen. Warum ausgerechnet eine Buche?
Im gesamten Stadtwald bilden die Buchen mit 35% am Baumartenanteil die stärkste „Fraktion“. Dieser Anteil ist seit der letzten Forsteinrichtung von 1996 bis zum derzeit aktuellen Operat von 2017 gleichgeblieben. Sozusagen ist die Rotbuche im Stadtwald Eltmann der „Brotbaum“- beim verkauften Stammholz, Polterholz und Losholz. In ganz Deutschland gibt es vorrangig auf Rügen, im Hainich und im Steigerwald bedeutende Rotbuchenbestände. Es liegt durch die Klimaänderung auch an uns Förstern diese Baumart unbedingt zu erhalten. Durch die Trockenheit und zunehmender Buchenborkenkäferkalamitäten der letzten Jahre haben viele Individuen dieser Baumart sehr stark gelitten. Unser Einschlag in Eltmann aller Buchen ergibt sich aus mehr als der Hälfte von geschädigten Bäumen. Die Fällung der Bäume mit trockenen Kronen und Käfergeschädigten Stämmen ist sehr anspruchsvoll und gefährlich. Trotzdem bin ich persönlich der Meinung, dass diese gefährlichen Bäume für die Waldarbeiter und Waldbesucher unbedingt entnommen werden sollten. Teilweise wird dies anders gesehen.

Im Staatswald bleiben viele dieser Bäume ungenutzt. Ich denke, dass in einigen Jahren solche Wälder aus verkehrssicherungstechnischen Gründen nicht mehr betreten werden dürfen und dort natürlich kein Holz mehr geschlagen werden darf. Im Stadtwald Eltmann soll dies nicht geschehen, da die Buchen aus ökonomischen Gründen und als Brennholz für die Rechtler bzw. Selbstwerber zur Verfügung gestellt werden sollten. Die Vermarktung geschädigter Buchen ist sehr schwierig. Wir in Eltmann haben zum Glück die sehr bekannte Firma „Barbara Rebhan Kistenfabrik“, welche diese Buchen kauft und daraus die Ecken der Holzkisten herstellt.

Nun aber zurück zu dieser besonderen Rotbuche: Dieses Exemplar wurde wahrscheinlich durch einen umgestürzten Baum gespalten. Ein Teil der Krone wächst normal, der zweite Teil liegt zum Teil auf dem Boden auf. Im Splintbereich beider Teile hat die Überwallung den Saftstrom erhalten und in der Mitte wurde der Holzkörper teilweise zersetzt. Diese Zersetzungsphase ist ökologisch für zahlreiche Insekten und Pilze sehr bedeutend. Besonders der abgeknickte Teil ist nach Regenfällen feucht. Da dieser Stammteil eine leichte Neigung hat bleibt bei Starkregenereignissen Wasser darin stehen, kann aber auch leicht abfließen. Aus diesem Grund bekam diese Rotbuche den Namen „Dachrinnen- Buche“ von mir.

Der Baum hat eine grüne Wellenlinie und eine Plakette mit einer Nummer darauf. Das bedeutet, dass im Jahr 2025 dieser Baum (und noch weitere 150 Stück in diesem Bestand) dauerhaft gesichert wurden, mit GPS eingemessen wurden und ab sofort nicht mehr gefällt werden dürfen. Ein Beitrag für die Habitaterhaltung im Wald. Die Stadt Eltmann bekommt für den Erhalt pro Baum eine Prämie aus Fördermitten des „Vertragsnaturschutzprogrammes Wald“.  

Die genaue Position dieses Baumes finden Sie hier: https://www.google.com/maps?q=49.9614333,10.6190217&z=17&hl=de 

Viel Spaß beim Erkunden! 




Baum Nummer 3

Als dritten Baum in der Serie „Charakterbäume, Methusalems und die letzten ihrer Art- Erkunden sie besondere Bäume im Stadtwald“, möchte ich unsere stärkste Elsbeere (Sorbus torminalis) vorstellen. Warum ausgerechnet diese Elsbeere?

Die Baumart Elsbeere hat ein natürliches Verbreitungsgebiet (von „natürlich“ zu sprechen ist durch den Einfluss des Menschen schwierig) in Mitteleuropa- besonders in Frankreich, Polen und Deutschland. In Deutschland wächst diese seltene Baumart vorrangig in den Bundesländern Baden- Württemberg, Thüringen und Bayern. In Bayern liegt das Hauptvorkommen in den wärmeren Regionen bei Würzburg, Schweinfurt, Iphofen, Taubertal und in den Hassbergen, sowie im Steigerwald. Eine herausragende Stellung nimmt hier das Universitätsforstamt Sailershausen (bei Hassfurt) ein. Die wärmeliebende und wenig konkurrenzstarke Elsbeere, die auch „Schweizer Birnbaum“ oder „Schöne Else“ genannt wird, kommt aber auch hier nur in geringen Stückzahlen vor. Warum ist das so? Wir leben in einem sogenannten „Buchenoptimum“- in Buchen- und Eichengesellschaften. Die Buche ist (war) die letzten Jahrhunderte/ Jahrzehnte mit dem Nadelholz die vorherrschende Baumart mit enormen Wuchsleistungen. Die Temperaturen waren kühler, es gab strenge Frostperioden und die Niederschläge waren höher- wärmeliebende Baumarten führten meist ein Nischendasein. Dies alles führte dazu, dass die Elsbeere als Baumart keinen großen Stellenwert hatte und so nur geduldet, bzw. aus Mischungsgründen erhalten blieb. Viele Elsbeeren fielen als untergeordnete Baumart sogar häufig der Brennholzaxt zum Opfer. 

Durch die Klimaänderung der letzten Jahre und dem einhergehenden Wuchsdefiziten der Hauptbaumarten gewinnen Edelholzbaumarten, Lichtbaumarten und seltene Baumarten wie die Elsbeeren nicht unbedingt bessere Wuchsbedingungen vor, sondern die Konkurrenz kommt mit den Gegebenheiten nicht mehr so gut klar- die Chance für diese tolle Baumart. Vielen Förstern ist das aber schon seit einigen Jahren bekannt und deshalb wurde diese Baumart von einer Fachjury (seit 1989 tätig) im Jahr 2011 zum Baum des Jahres gekürt. Seit dieser Zeit steigen die Zahlen durch Aufforstungen, Neufunde und gezielte Pflege stetig- natürlich auch im Stadtwald Eltmann.

Ich schätze, dass es im Stadtwald ca. 100 Elsbeeren gibt. Vorrangig gedeihen diese meist schlanken Bäume in Waldabteilungen mit Eichenvergesellschaftung, südlicher Exposition und wenig Buchendruck. Solche Bereiche sind in den Abteilungen Altweisbrunn (Lembach), Einzelberg, Festenschlag, Buttenheim, Dachsbau und Lochteich vorzufinden. Nun aber zurück zur „Schönen Else“ in der Abteilung Buttenheim. Der Baum ist wegen seiner imposanten Größe und glatten, astfreien Stamm allein schon erwähnenswert. Elsbeeren erreichen selten über 60 cm Brusthöhendurchmesser, da sie nicht so alt werden wie z.B. die Klimaxbaumarten Buche oder Eiche. Dieser hier vorgestellte Baum hat sogar 66 cm Brusthöhendurchmesser und ist aus diesem Grund aus ökologischer und ökonomischer Sicht sehr wertvoll. Vor einigen Jahren erlöste ein ähnlicher Stamm bei einer Versteigerung in Sailershausen 12.000 €. Das bedeutet aber nicht, dass dieser beschriebene Baum am unteren Buttenheimhang geerntet werden soll. Er ist vital, vorherrschend, hat eine sehr gute Form (genetisch wertvoll) und einen geringen Druck der Nachbarbäume. Der Baum fruktifiziert sehr stark und so kann eine neue Generation Elsbeeren erwachsen. Ich hoffe, dass dieser Baum noch viele Jahre überleben wird und uns so Freude bereitet. Ich wünsche viel Spaß beim Erkunden dieses einmaligen Baumes- auch hier gibt es wieder eine kleine Bank zum Ausruhen! 

Die genaue Position dieses Baumes finden Sie hier: https://www.google.com/maps?q=49.9734135,10.6456164&z=17&hl=de 

Viel Spaß beim Erkunden! 




Baum Nummer 4

Als vierten Baum in der Serie „Charakterbäume, Methusalems und die letzten ihrer Art- Erkunden sie besondere Bäume im Stadtwald“, möchte ich einen Speierling (Sorbus domestica) vorstellen. Warum ausgerechnet einen Speierling?

Der Name Speierling kommt vom Wort „speien“ und weist darauf hin, dass die tollen, individuellen Früchte des Baumes- es gibt apfelförmige, birnenförmige, grüne, rote, gelbe und gemischte Farben, zur falschen Zeit geschmacklich ungenießbar sind. 

Die natürliche Verbreitung liegt im mitteleuropäischen Raum. In Deutschland gibt es von dieser sehr seltenen Baumart laut Fachliteratur aus dem Jahr 2000 nur ca. 6.000 alte Exemplare. Zusätzliche Funde seit dem Jahre 2000 wurden aber bestätigt, man geht jetzt von ca. 8.000 Altbäumen aus. Im Jahr 1993 wurde der Speierling zum „Baum des Jahres“ ausgerufen. Dabei wurde auf die Seltenheit, die ökologische und auch die kulturelle Bedeutung hingewiesen, besonders für die Herstellung von Apfelwein. Die Wahl diente auch dazu, den Speierling vor dem Aussterben zu bewahren und weitreichende Aktivitäten zur Nachzucht zu fördern, wodurch bereits jetzt der Bestand für die Zukunft gesichert werden konnte. In Deutschland liegen die Hauptvorkommen besonders in Regionen in Baden- Württemberg, Thüringen, Hessen und ganz besonders in Unterfranken. Bedeutend für ganz Deutschland sind die Wälder in den Landkreisen Schweinfurt, den Hassbergen und im Steigerwald! In Eltmann waren bis 2012 knapp 20 Altbäume bekannt, derzeit sind es im Stadtwald 42 alte Exemplare meiner persönlichen Lieblingsbaumart. Das klingt nicht viel, aber mit den von mir zusätzlich betreuten fast 60 Exemplaren in Königsberg haben wir einen nennenswerten und wertvollen Anteil am Gesamtbestand in Deutschland.

Die Individuen der recht wärmeliebende Baumart sind bei uns im Stadtwald seit dem Jahr 2018 kartiert und die Hauptverbreitung liegt in den sonnenexponierten Lagen am Dachsbau und Einzelberg. Speierlinge sind nicht so konkurrenzkräftig wie zum Beispiel Buchen und Eichen. Sie brauchen viele Nährstoffe, sind kalkliebend und bevorzugen lichte Bestände um dem Druck der genannten Hauptbaumarten zu entgehen. Wo die diese Bäume nicht ihr volles Wachstum erreichen können, besetzt der Speierling diese ökologische Nische. Auch aus diesem Grund hat diese Baumart im Zuge der Klimaerwärmung an Bedeutung gewonnen.

Wie werden die vorhandenen Bäume in Eltmann erhalten und gefördert? Die wichtigste Aufgabe ist, sie zu erkennen, um sie vor Schäden z.B. durch versehentliche Fällungen (ohne Laub kaum von Eichen zu unterscheiden) und Schäden durch Fällungen anderer Bäume in der Nähe zu bewahren. Ich glaube, dass 1 bis 2 Bäume bei uns noch nicht entdeckt wurden. Die gefundenen Gehölze werden durch gezielte Bedrängerentnahmen gefördert. In den letzten 12 Jahre wurden alle 3 Jahre konkurrierende Bäume entnommen, um den Kampf um Licht, Wasser, Standraum und Nährstoffe zugunsten des jeweiligen Speierlings zu steuern. Alle Speierlinge stehen seitdem „frei“, das bedeutet die Kronen bekommen ausreichend Licht und die Wurzeln können genug Wasser und Nährstoffe aufnehmen. Dieser Zustand ist aber nicht immer nur durch Fällungen zu erreichen, denn wenn ein Baum zu sehr freigestellt wird, können zum Beispiel Stürme den mühsam geförderten Baum umwerfen. Auch zu viel Sonneneinstrahlung führt zu „Sonnenbrand“ an der Rinde. Auch Fröste können bei der zu plötzlichen und massiven Freistellung zu Schäden führen. Aus Gründen der Erhaltung des Nebenbestandes habe ich vor einigen Jahren mit der Firma Garten- und Landschaftsbau Graser aus Eltmann an konkurrierenden Nachbarbäumen mittels Seilklettertechnik die Kronen ein paar Meter zurückschneiden lassen (siehe Foto vom ganzen Speierling mit Hunden- die 2 Eichen rechts sind eingekürzt). Diese Maßnahmen waren wichtig für die einzelnen Bäume um die Kronen zu umlichten, damit sie besser Photosynthese betreiben können und so auch die Fruktifikation angeregt wird. In Deutschland wurde das bis zu diesem Zeitpunkt so noch nicht praktiziert, war neu und so revolutionär, sodass es vor 4 Jahren eigens dafür in Eltmann eine Exkursion mit Fachleuten aus ganz Europa (sogar aus Norwegen waren Förster da) gab, welche sich dieses Verfahren zur Erhaltung der Altspeierlinge in Eltmann ansehen wollten. Zusätzlich werden jährlich von allen 42 Bäumen durch die eigenen Waldarbeiter die Früchte am Boden gesammelt, einer speziellen Baumschule übergeben, die dann kleine Speierlinge mit dem Namen „Speierling Herkunft Eltmann“ nachzieht und so Eltmanner Speierlinge in ganz Deutschland gepflanzt werden können. Als Entschädigung für die Sammeltätigkeit bekommen wir immer einige hundert Bäume, welche wir selbst an geeigneten Standorten ausbringen. Warum müssen die Früchte gesammelt werden? Schafft es die Natur nicht selbst junge Bäume hervorzubringen? Nein, dieser Prozess von der Frucht zum Jungbaum ist sehr selten und an ganz bestimmte Gegebenheiten wie Feuchtigkeit und Temperatur gebunden. Die Früchte müssen einen bestimmten Prozess durchlaufen um zu keimen. Zu diesem Thema, und auch zur gezielten waldbaulichen Förderung, habe ich bereits im Jahr 2004 in meiner Diplomarbeit Ideen und Hinweise gegeben, welche heute noch in den Baumschulen erfolgreich angewendet werden. 

Die genaue Position dieses Baumes finden Sie hier: https://www.google.com/maps?q=49.9589056,10.6113403&z=17&hl=de 

Viel Spaß beim Erkunden dieses Baumes und der faszinierenden Baumart. Auch an diesem vorgestellten Exemplar gibt es wieder eine kleine Bank zum Ausruhen! 




Baum Nummer 5

Als fünften Baum in der Serie „Charakterbäume, Methusalems und die letzten ihrer Art: Erkunden sie besondere Bäume im Stadtwald“, möchte ich eine besondere Traubeneiche (Quercus petraea) vorstellen. Warum ausgerechnet diese Eiche, welche ich die „Geweiheiche“ nenne?

Eichen haben wir ja im Stadtwald genug. Es gibt auch weitaus stattlichere, ältere, genetisch und auch ökonomisch wertvollere Eichen als dieser hier vorgestellte Baum. 

Der Baumart Eiche (Trauben- und Stieleiche) wurde im Zuge der fortschreitenden Klimaerwärmung für große Waldteile in Deutschland eine gute Zukunft vorausgesagt, da sie Wärme und Kälte sehr gut erträgt, schwierige Böden erschließen bzw. besiedeln kann und dabei mit niedrigen Niederschlagsmengen gut zurechtkommt. Aus diesen Gründen wird sie bei dem Waldumbau oft gepflanzt und gefördert, auch hier im schönen Freistaat. Wir hier in Franken, besonders aber auch gerade in unserem Landkreis haben nennenswerte Anteile von Eichen in der Baumartenverteilung. In Eltmann ist sie mit 22% (Erhebung 2018) an der Baumartenverteilung recht stark vertreten. Bei der vorhergehenden Inventur im Jahr 1996 waren es lediglich 17%. Ein Anstieg um 5% innerhalb, für einen Wald, nur sehr wenigen Jahren ist enorm. Warum ist das in Eltmann so- wir befinden uns doch im Steigerwald im „Rotbuchen-Optimum“? Wir haben viele verschiedene Standörtliche Bedingungen z.B. schwere tonige Böden, südexponierte Hanglagen und auch vernässte Böden. Diese Gegebenheiten führten dazu, dass die Eiche in vielen Beständen konkurrenzstärker ist als die Buche. Aber auch besonders die frühzeitigen Erkenntnisse der Forstpartie Eichen als stabile Baumart mit Pfahlwurzel zu erhalten und zu fördern trägt natürlich auch Früchte. Es gibt aber auch bei der Eichenwirtschaft viele Probleme. 

An keiner anderen Baumart fressen so viele Schadinsekten. Steht die Eiche nicht Standortgerecht leidet sie und fällt seit einigen Jahren auch Borkenkäfern, Prachtkäfern und Schadpilzen zum Opfer. Es ist zudem recht schwierig diese Baumart, trotz zahlreicher Samen (wie in diesem Herbst) zu verjüngen. Rehe, Wildschweine und Mäuse fressen nennenswerte Anteile. Schaffen es die Eichen trotzdem zu keimen benötigen sie als Lichtbaumart viel Licht um zu wachsen. Im Stadtwald Eltmann ist das nicht einfach, da wir oft mehrschichtige Bestände haben in denen kaum Licht auf den Boden kommt. Dennoch ist es in den letzten Jahren kontinuierlich durch Lichtsteuerung, Pflanzung und Saat gelungen die Naturverjüngung zu etablieren. Im Jahr 1996 waren es unter 10 ha Anteil der Eichen in der Naturverjüngung, 2018 bereits 15 ha und derzeit sind wir bei geschätzt 20 ha. Dieser Anstieg ist herausragend und als positiv zu bewerten. Zeitlich, sowie finanziell ist diese Anreicherung aufwendig wird aber durch Fördermittel gut entschädigt.

Nun aber zurück zu der „Geweiheiche“: Diese Eiche ist mit schon vor 13 Jahren wegen ihres tollen Erscheinungsbildes aufgefallen. Aus einem Stock sind zwei gleichwertige, fast symmetrische Stämme mit zahlreichen Ästen erwachsen, welche an die Form eines Rothirschgeweihs erinnern. Um den Baum sehen zu können wurde die Buchennaturverjüngung teilweise entfernt- nicht nur um die Sicht freizugeben, sondern auch damit die Eichelmast dieses Jahres keimen und im Licht aufwachsen kann.

Ich wünsche viel Spaß beim Erkunden dieses Baumes und der faszinierenden Baumart- auch an diesem vorgestellten Exemplar gibt es wieder eine kleine Bank zum Ausruhen! 
 

Die genaue Position dieses Baumes finden Sie hier: https://www.google.com/maps?q=49.9635217,10.6172783&z=17&hl=de 

Viel Spaß beim Erkunden dieses Baumes und der faszinierenden Baumart. Auch an diesem vorgestellten Exemplar gibt es wieder eine kleine Bank zum Ausruhen!